Warum gerade jetzt?
Es ist kein Zufall, dass zu gewissen Zeiten bestimmte Beschwerden spürbar werden und uns das Leben schwer
machen. Wenn es besonders hektisch wird und die Probleme zu einem Berg heranwachsen, häufen sich auch die
körperlichen Beschwerden.
Gerät unsere Seele aus dem Gleichgewicht, verliert auch der Körper mit einer gewissen Verzögerung
seine Balance. Schon unsere Sprache verrät den Einfluss der seelischen Verfassung auf den Körper. Redewendungen
wie "das schlägt mir auf den Magen" oder "das Herz wird mir schwer" bringen das enge
Wechselspiel von Körper und Seele an den Tag.
Bei körperlichen Beschwerden (ohne organische Ursache) als Reaktion auf seelische Belastungen, sprechen Ärzte
von psychovegetativen Beschwerden.
Wie kann man seine Situation ändern?
Schon ein Gespräch mit einer vertrauten Person kann einer scheinbar verfahrenen Situation eine positive Wendung
geben. Auch wenn der Weg zu einem entsprechend geschulten Hausarzt oder zum Facharzt anfangs mit Skepsis begleitet
wird, hat er vielen zur Lösung ihrer psychischen und körperlichen Beschwerden verholfen.
Außerdem besteht auch die Möglichkeit, eine Selbsthilfegruppe aufzusuchen. Die Erfahrung Gleichgesinnter
kann zur Konfliktlösung beitragen. Ein entscheidender Punkt ist, dass Sie wieder zu sich selbst finden. Und
dazu gehört eine gesunde Form von Egoismus. Gönnen Sie sich einmal in der Woche eine "Ich-Zeit".
Ein paar Stunden, in denen Sie einfach mal was tun, wozu Sie Lust haben. Das kann ein Besuch im Kino, ein Entspannungsbad
oder ein geselliger Abend mit Freunden sein. Wichtig ist nur, dass diese Auszeit zu einem festen Bestandteil der
Woche wird und nur im äußersten Notfall verschoben werden sollte.
Wie verhält man sich als Außenstehender?
Über die Krankheit offen sprechen
Der Angehörige sollte versuchen, zum Beispiel die Frage zu besprechen, wie der Betroffene in die Krise hineingeraten
ist und welche Lösungen dem Kranken möglich erscheinen. Dadurch wird das Selbstwertgefühl des Betroffenen
durch die Angehörigen gestärkt.
Den Kranken nicht überfordern
Der Kranke sollte nicht mit Forderungen konfrontiert werden (z. B.: "Reiß Dich zusammen"). Durch
diese Aufmunterung erlebt er dann viel stärker sein Nichtkönnen. Das kann wiederum eine Verstärkung
der Depression zur Folge haben.
Probleme nicht bagatellisieren
Auch sollte man dem Betroffenen nicht einreden, dass "es ihm doch gar nicht so schlecht gehe". Auch der
Hinweis "andere seien doch auch mit einem ähnlichen Problem fertig geworden", könnte die Depression
des Betroffenen verstärken, da er sich selbst erneut als schwach erlebt, so dass er im Vergleich zu denen,
die es "geschafft" haben, doch minderwertig und nutzlos ist.
Helfen ohne neue Abhängigkeit zu fördern
Häufig suchen Depressive eine große Nähe. Sie machen sich selbst hilflos, damit andere ihnen helfen.
Hier ist es wichtig, dem anderen zu signalisieren, dass man ihn verstehen möchte und bei ihm sein möchte.
Andererseits sollte versucht werden, den Betroffenen vorsichtig immer wieder darauf zu verweisen, welche Möglichkeiten
in ihm vorhanden sind. Somit vermeidet man, den Wunsch nach Nähe in "Abhängigkeit" zu verwandeln.
Vorsichtig argumentieren
Auch sollte vermieden werden, mit dem Kranken fruchtlose Diskussionen zu führen. Es ist bei unterschiedlicher
Meinung notwendig, dem Erkrankten mitzuteilen, dass man versucht, seine Meinung zu akzeptieren und zu verstehen.
Selbst kann man dennoch äußern, dass man z. B. das Problem anders einschätzt. So lernt der Betroffene,
dass seine Meinung angenommen wird, dass gleichzeitig aber eine andere Vorstellung vorhanden sein kann, ohne dass
unterschiedliche Meinungen eine Abwertung nach sich ziehen.
Einfühlsam auch über mögliche Suizid-Gedanken sprechen
Nicht selten äußern Depressive, dass sie "nicht mehr dasein möchten", dass sie "nicht
mehr leben wollen". Eine solche Situation ist für Angehörige oft problematisch. Obwohl sie ahnen,
dass der Betroffene Suizidgedanken hat, vermeiden sie es aus Unsicherheit dieses Thema anzusprechen. Gerade das
sollten sie jedoch mit der gebotenen Vorsicht und der entsprechenden Einfühlsamkeit machen. Es entlastet den
Depressiven, wenn er die quälenden Gedanken nicht alleine tragen muss. Gleichzeitig kann er erkennen, dass
seine Umwelt sich ihm und seinen Gefühlen zuwendet.