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Therapie der Schizophrenie

Wie kann eine Therapie aussehen?

Die medikamentöse Behandlung mit Neuroleptika bildet in der Akuttherapie den Schwerpunkt und in der Langzeittherapie die Basis einer integrativen Gesamttherapie.

Ziel einer Neuroleptika-Behandlung ist, die der Schizophrenie zugrundeliegenden Stoffwechselstörungen des Gehirns zu normalisieren. Auf diese Weise soll die Balance der Botenstoffe im Gehirn wieder hergestellt werden.

In der Akutphase der Schizophrenie werden hierdurch Angst und Erregung verringert, der Patient "erwacht" aus seiner Psychose, entwickelt wieder Interesse für seine Umwelt, für Freunde und Familie. Ziel ist, wieder am Leben teilnehmen zu können. Auch für die Folgetherapie ist die medikamentöse Unterstützung von großer Bedeutung: sie dient der Symptomunterdrückung bei weiterbestehendem psychotischen Erleben und verringert die Verletzlichkeit für den erneuten Ausbruch der Krankheit.

Nach Abklingen der akuten Erkrankungsphase besteht ein hohes Wiedererkrankungsrisiko: Ohne medikamentösen Schutz erleiden 70 - 80% aller Patienten im ersten Jahr nach Entlassung einen Rückfall. Von den Patienten, die regelmäßig Neuroleptika einnehmen, haben dagegen nur ca. 15% einen Rückfall. Die Langzeitbehandlung mit Neuroleptika bildet dabei die Grundlage für alle weiteren therapeutischen Maßnahmen, z. B. Psychotherapie und Soziotherapie.

Welche Maßnahmen unterstützen die medikamentöse Therapie ?

Die Therapie mit Medikamenten sollte mit psychotherapeutische Behandlungsverfahren und soziotherapeutische Maßnahmen ergänzt werden.

Die Psychotherapie soll dem Patienten helfen, seine Situation zu verstehen und zu bewältigen. Dazu gehört in der akuten Phase der Aufbau einer vertrauensvollen und stützenden Beziehung zum Therapeuten. Weiterhin soll die Psychotherapie dem Patienten Einsicht in seine Krankheit gewähren und seine Ich-Funktion stützen.

Langfristiges Ziel ist es, dem Patienten zu helfen, Stress-Situationen, die zum erneuten Ausbruch der Krankheit führen können, rechtzeitig zu erkennen und zu vermeiden. Besonders wichtig für die erfolgreiche Therapie ist die Einbeziehung der Angehörigen. Deshalb gehören zur langfristigen Behandlung der Schizophrenie auch familientherapeutische Maßnahmen.

Unter Soziotherapie versteht man Maßnahmen, die sich auf das soziale Umfeld des Patienten beziehen. Unterstützt werden soll der Patient vor allem in den Problembereichen Wohnen und soziale Beziehungen, Arbeit, Finanzierung des Lebensunterhaltes und Freizeitgestaltung. Ziel ist es, dass der Patient wieder aktiv und mit Freude am Leben teilnehmen kann.

Wie findet man das richtige Medikament?

Das richtige Medikament wird in vertrauensvoller Zusammenarbeit von Arzt und Patient sehr individuell bestimmt. Es kann auch sein, dass zur Behandlung eine Kombination von Medikamenten eingesetzt werden muß. Auch die Dosierung wird genau und sehr individuell abgestimmt, damit sich Wirkung und Verträglichkeit optimal ergänzen.

Bereits nach kurzer Zeit bessern sich die unangenehmen, das normale Leben beeinträchtigenden Symptome der Krankheit, der Patient beginnt, sich wieder wie ein Mensch zu fühlen. Das gänzliche Freiwerden von schizophrenen Symptomen kann aber oft Wochen bis Monate dauern.

Es ist sehr wichtig, die Medikamente regelmäßig und über einen längeren Zeitraum konsequent einzunehmen, damit Körper und Seele die Chance haben, ihr neues Gleichgewicht zu finden.Auch wenn die Symptome verschwunden sind, denken Sie bitte daran: Die medikamentöse Behandlung muß dennoch fortgeführt werden, um den neugewonnenen, positiven Zustand zu stabilisieren und Rückfälle zu vermeiden.

Welche Auswirkungen hat es, wenn Neuroleptika plötzlich abgesetzt werden?

Wichtig für die Therapie ist, die Medikamente über längere Zeit regelmäßig einzunehmen. Nach einiger Zeit bessern sich die als unangenehm und störend empfundenen Auswirkungen der Erkrankung deutlich. Auch wenn das Leben wieder normal wird, gehören Medikamente weiterhin dazu, um Rückfälle zu vermeiden. Man kann das mit einer Erkrankung wie Diabetes vergleichen, bei der ebenfalls Medikamente regelmäßig eingenommen werden, um ein gestörtes chemisches Gleichgewicht im Körper zu normalisieren.

Wer Nebenwirkungen erlebt, die manchmal auftreten können, möchte vielleicht die medikamentöse Therapie abbrechen oder unterbrechen. Oder man möchte die Medikamente weglassen, weil man meint, dass man sie nicht braucht, nachdem sich die akuten Symptome gebessert haben. Unregelmäßige Einnahme oder plötzliches Absetzen führt jedoch in den meisten Fällen dazu, dass die alten Symptome der Erkrankung zurückkehren.

Meistens weiß Ihr Arzt Alternativen, wie man mit störenden Nebenwirkungen umgehen kann. In jedem Fall ist es wichtig, nicht selbst die Therapie zu ändern oder zu unterbrechen, sondern zuerst mit dem Arzt darüber zu sprechen.

Welche Möglichkeiten gibt es, nicht täglich Medikamente einzunehmen?

Manche hochwirksamen Neuroleptika können als Depot gegeben werden. Dabei spritzt der Arzt das Medikament individuell dosiert in einen großen Muskel, z.B. in den Gesäßmuskel. Je nach Dosis und Medikament hält das zwei bis vier Wochen vor, bevor wieder eine Spritze gegeben wird. Das hat natürlich einige Vorteile.

Das Medikament kann so sehr genau auf Ihre individuelle Situation eingestellt werden, es treten also weniger unerwünschte Wirkungen auf. Und man hat auch nicht das Risiko, einmal eine Tablette zu vergessen oder zu viel einzunehmen und muß sich nicht mehr ständig an die Medikamenteneinnahme erinnern.

Aber Depot-Neuroleptika vereinfachen nicht nur das Leben; Untersuchungen haben auch gezeigt, dass man mit ihnen wirkungsvoller Rückfälle vermeiden kann. Ob Depot-Neuroleptika eingesetzt werden können, stimmt der Arzt individuell mit Ihnen ab.

Welche unangenehmen Folgen kann eine Behandlung mit Medikamenten haben?

Zunächst haben Neuroleptika natürlich erst einmal positive Auswirkungen: Die Symptome bessern sich, das Interesse für die Umwelt kehrt zurück, man kann wieder mit dabei sein, wieder etwas leisten.Unangenehme Begleiterscheinungen können jedoch auch auftreten, wie bei jedem hochwirksamen Medikament.

Ob und wie stark diese Begleiterscheinungen sind, ist individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt und auch von Medikament zu Medikament verschieden. Es können Störungen der Bewegung wie zum Beispiel Muskelzittern und Schluckstörungen (Symptome der Frühdyskinesie), Bewegungsunruhe in Armen und Beinen (Akathisie) oder parkinsonartige Bewegungseinschränkungen auftreten. Andere häufige Nebenwirkungen sind Müdigkeit, Mundtrockenheit, Gewichtszunahme und reduzierte Konzentrationsfähigkeit, die sich aber normalerweise im Verlauf der Therapie von selbst bessern.

Viele Patienten sind durch die Nebenwirkungen erschreckt und setzen ohne Rücksprache mit dem Arzt ihr Medikament ab. Sehr schnell kann es dann zu einem Rückfall kommen. Wenn Nebenwirkungen auftreten, sollten die Betroffenen sich vertrauensvoll an ihren Arzt wenden. Denn: Es gibt viele Möglichkeiten, die Nebenwirkungen unter Beibehaltung der Behandlung zu vermeiden.

In der Akutbehandlung lassen sich Bewegungsstörungen meist rasch und sicher mit Antiparkinson-Medikamenten oder - im Falle der Akathisie - mit Beta-Blockern oder Benzodiazepinen lindern. Diese Medikamente sind jedoch nicht immer für die Dauerbehandlung geeignet. Dann wird der behandelnde Arzt möglicherweise versuchen, die Dosis des Neuroleptikums zu reduzieren oder auf ein anderes Medikament umzustellen. Auf alle Fälle wird er mit dem Betroffenen zusammen klären, welche individuelle Lösung es gibt.

Welche zusätzlichen Medikamente werden bei der Behandlung von Schizophrenien eingesetzt?

Antiparkinsonmittel werden gegeben, um motorische Nebenwirkungen der Behandlung mit Neuroleptika abzumildern.

Antidepressiva haben eine stimmungsaufhellende Wirkung bei bestimmten Formen von Depressionen. Auch Erschöpfungszustände nach Abklingen der akuten Psychose können mit Antidepressiva behandelt werden.

Benzodiazepine beruhigen, beseitigen Angstzustände, fördern den Schlaf und haben eine entspannende Wirkung auf die Muskulatur. Nach längerer Einnahme können sie jedoch auch in niedriger Dosierung zur körperlichen Abhängigkeit führen. Aus diesem Grund sollten sie grundsätzlich nur vorübergehend eingenommen werden.

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